Seite 14-15 - Inside out 4/2014

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in Madrid ihr Studium Telematics Engineering.
In Köln hängen geblieben ist sie während ih-
res Auslandssemesters. „Ich mag die struktu-
rierte und pragmatische Art hier. In Spanien
fand ich das Studium anstrengender, man fo-
kussiert sich dort viel mehr auf die Theorie.“ Also
beschloss sie, ihren Bachelor im Studiengang
Medientechnologie an der Fakultät für Infor-
mations-, Medien- und Elektrotechnik zu ab-
solvieren.
Zufällig hatte Prof. Dr. Luigi Lo Iacono einThema
für ihre Bachelorthesis zur Hand, mit dem es Sil-
via Santano schon wieder aufs Siegertreppchen
geschafft hat – diesmal solo. Sie ist die Gewin-
nerin im ARD/ZDF-Förderpreis Frauen + Me-
dientechnologie 2014.
Live Streaming wird effizienter
„Live Streaming for HTML5 Video over WebSo-
ckets” klingt in den Ohren des Laien nach tro-
ckener Informatik. Für den viel zitierten Otto-
Normalverbraucher hat das von Silvia Santano
entwickelte Verfahren nicht unbedingt einen
spürbaren Effekt, für Content-Lieferanten aber
schon, denn sie können damit Mediendaten ef-
fizienter verteilen.
HTML5 Video tendiert gerade zur neuen, flä-
chendeckenden Software zurWiedergabe von
Bewegtbildern im Webbrowser. Allerdings ist
die Wiedergabe von Livestream-Datenströ-
men als Dateien bisher nicht einfach; da ein
Livestream ein kontinuierlicher Datenstrom
ist, der theoretisch weder über einen Anfang
noch über ein Ende verfügt.
Um auf Smartphones, Tablets, Spielekonso-
len und Smart-TVs ohne eine Browsererwei-
terung Livestreams wiedergeben zu können,
bietet Santanos Programmierung eine effizi-
ente Lösung. Ihr Ansatz basiert auf dem neuen
Web-Kommunikationsprotokoll WebSockets,
mit dem sie im Vergleich zu bereits verfügba-
ren Lösungen die benötigten Übertragungs-
und Verarbeitungskosten verringern konnte.
„Bisher ist das Web als Distributionskanal tech-
nisch ungünstig. Silvia Santanos Arbeit ist der
erste Schritt auf diesem Gebiet“, sagt Professor
Lo Iacono, für den es als Betreuer bereits der
zweite Erfolg in Folge beim ARD/ZDF Wettbe-
werb ist.
Der Förderpreis ist nicht einfach als Anerken-
nung dafür zu verstehen, dass sich eine Frau
in der überwiegend von Männern besetzten
Branche ganz beachtlich schlägt, im Gegen-
teil: „Die herausragende Qualität der Program-
mierung überzeugte schon Anfang des Jahres
sechs Gutachter der International Conference
on Building and ExploringWeb Based Environ-
ments (WEB 2014) in Chamonix, Frankreich“, er-
zählt Lo Iacono nicht ohne Stolz.
Weiterentwicklung imMaster
Stolz ist Silvia Santano eigentlich weniger,
sie genießt ihr Glück im Stillen. Im Trubel um
die Preisverleihung versuchte sie Ruhe zu be-
wahren. Schließlich gibt es bei ihrer Anwen-
dung noch so viel zu erledigen: „Da sich die
Netzwerkeigenschaften ständig verändern, ist
die Adaptivität ein offener Punkt“, sagt sie. Ihr
Wunsch ist es, eine technologisch komplette
Lösung für die Wiedergabe von Livestreams
imWeb zu entwickeln. Gerade hat sie mit dem
Masterstudiengang Technische Informatik be-
gonnen. Drei Semester mehr Zeit, um zusam-
men mit Professor Lo Iacono das Thema vor-
anzutreiben.
mp
www.ard-zdf-foerderpreis.de
Am Anfang war der Robo-Cup
Silvia Santano gewinnt ARD/ZDF Förderpreis Frauen + Medientechnologie
Nicht viele zwölfjährige Mädchen basteln
einen Elektroroboter. „Meine Freundinnen
konnten das damals nicht verstehen, und
daran hat sich bis heute nicht viel geän-
dert“, sagt Silvia Santano. Künstliche Intel-
ligenz fand die Spanierin schon immer in-
teressanter als Ballett oder den Ponyhof. Als
Teenager nahm sie vier Jahre in Folge als
Programmiererin an den RoboCup-Welt-
meisterschaften teil und wurde 2008 und
2009 in der Junior League Weltmeisterin
mit der spanischen Mannschaft „Complu-
bot Soccer“.
In der Disziplin Fußball schicken die Teams
jeweils zwei autonome Roboter aufs Feld,
die gegeneinander kicken. Damit sich die
Roboter eigenständig auf dem Feld orien-
tieren können, müssen sie mit elektroni-
schen Sensoren wie Kameras und Ultra-
schallsensoren ausgestattet werden. Die
Intelligenz steckt in den Mikrocontrollern,
die die Roboter steuern.
Auslandssemester in Köln
Nach der Schule wurde Silvia Santano die
Robotik dann etwas eintönig; sie begann
Istanbul auf den Kopf gestellt
Designstudentin Simone Fahrenhorst (24) verbrachte ihr Auslands-
semester in Istanbul. Mit
Upside down
ist sie Siegerin im Fotowett-
bewerb des International Office, Kategorie Outgoings. Für ihre Mo-
tivwahl hat sie eine charmante Erklärung: Sie hat sich im Chaos der
Stadt verloren.
Istanbul ist nicht schön, nicht sauber, nicht grün. Die Stadt ist voller hupender Autos, die
im Stau Stoßstange an Stoßstange stehen. Straßenverkäufer und Muezzins versuchen den
Verkehrslärm zu übertönen. Man geht in diesem Chaos auf ganz wunderbare Art undWeise
verloren, man weiß nicht mehr wo oben ist und wo unten.
Die Istanbuler können das wahnwitzige Chaos der Stadt durch Gelassenheit sehr gut aus-
balancieren. Täglich sieht man Tee trinkende Menschen, die auf einer Picknickdecke in der
Mitte eines begrünten Kreisverkehres Backgammon spielen, während der Grill vorheizt –
mitten in den Abgasen der Autos.
Das Semester in Istanbul hat mir gezeigt, dass Kitsch und Beton eine wunderbare Kombina-
tion sind, dass Vorurteile schneller entstehen als man denkt und dass Desorientierung dabei
helfen kann, einen neuen Fokus zu setzen – deshalb‚Upside down’. Das Foto ist ein Schnapp-
schuss, der auf einfache Art beschreibt, wie ich das Semester erlebt habe.
Mit
Upside down
hat Simone Fah-
renhorst in der Kategorie Outgoings
den Fotowettbewerb des Internatio-
nal Office gewonnen.
Fotowettbewerb des International Office
Kategorie Incomings
Platz 1: Téo Dréan, Frankreich, Bachelorstudiengang Sprachen und Wirtschaft
Platz 2: Iris Daniela Quezada Reyna, Mexiko, Bachelorstudiengang Architektur
Kategorie Outgoings
Platz 1: Simone Fahrenhorst, Bachelorstudiengang Integrated Design
Platz 2: Leander Ulrich, Bachelorstudiengang Wirtschaftsingenieurwesen
Silvia Santano kam über ein Auslandssemester an die Fachhoch-
schule Köln – und ist direkt hier geblieben. Für ihre Softwareent-
wicklung ist die Spanierin mit dem ARD/ZDF Förderpreis Frauen +
Medientechnologie 2014 ausgezeichnet worden.
Foto: Heike Fischer, FH Köln
Foto: Costa Belibasakis, FH Köln